Das Automatikgetriebe - Schaltfaules Fahren.

Eines steht fest - wenn wir geahnt hätten, was uns im Zusammenhang mit einem Automatikantrieb alles an "Stolpersteinen" erwartet, hätten wir die Limo auf Schaltgetriebe mit einer "stinknormalen Kupplung" umgerüstet.

Bei einem Nasenbären mit Automatikgetriebe muss man doch einiges mehr beachten, als wenn man es mit einem "Schalter" zu tun hat.

In unserer Limo war ein Automatikgetriebe der ersten Generation (EZ 1969) mit passendem Drehmomentwandler eingebaut. Nach den Angaben des Vorbe-sitzers gab es mit diesem Getriebe aber keine Probleme und es lief bis zur Stillegung des Fahrzeuges 1996 einwandfrei.

Den ursprünglichen Motor mit 1668 ccm (KB "V" mit 68 PS) haben wir überholen bzw. umbauen lassen, so das dieser jetzt 2100 ccm und ca. 100 PS aufweist. Aufgrund dieser motorseitigen Änderungen und auch durch den Anbau einer AHK an unserer Limo, entschlossen wir uns einen Drehmoment-wandler der letzten Automatikbaureihe (VW 412) zu verwenden.

Dieser Wandler unterscheidet sich bereits äusserlich durch eine größere Anzahl von Kühllamellen, gegenüber dem Vormodell und ist speziell für mehr Motor-leistung und Anhängerbetrieb ausgelegt.

Den gebraucht zugekauften Drehmomentwandler haben wir dann bei der Firma ZF Sachs AG, Windelsbleicher Str. 80, 33647 Bielefeld (www.zfsachs.de) generalüberholen lassen. Dem Team von ZF gebürt dafür ausdrücklicher Dank für den klasse Service!


 

Instandsetzung Automatikgetriebe EC 0060868

Am 28.11.2015 war es endlich soweit, wir konnten unser Automatikgetriebe von dem Getriebespezialisten Herrn Julius Sabau aus Porta Westfalica wieder abholen.

Als wir das Getriebe Anfang September 2015 zu ihm brachten hatte er es an einem der nächsten Tage sofort demontiert und das Innenleben in Augenschein genommen.

Wir hatten vereinbart noch eine Dichtung, die ich mal von VW Classic Parts gekauft hatte, vorbeizubringen und so kamen wir bereits ein paar Tage später wieder zu ihm.

Herr Sabau war von dem Automatikgetriebe total begeistert. Er hätte schon lange nicht mehr so ein gut verarbeitetes und erhaltenes Getriebe gesehen. Die modernen Getriebe der aktuellen Autos enthalten viele Kunststoffteile und billiges Alu; deshalb würden die heutigen Automatikgetriebe auch nicht lange halten.  

Im 411-Getriebe sind die Lagerbuchsen aus hochwertigen Metall-Legierungen bzw. gedrehtem Stahl. Einzig die Gummidichtungen waren durchweg eingelaufen und damit undicht. Diese wurden jetzt durch höherwertige Dichtungen ersetzt.

Herr Sabau bezieht seine Ersatzteile durchweg aus den Niederlanden, die Qualität und auch die Preise sind bei unseren Nachbarn besser.

Die ersten Bilder (Bild 1 bis 24) zeigen die Einzelteile des 411-Automatik-getriebes, frisch vom "Seziertisch" des Herrn Sabau. September 2014 hatten wir die äußere Reinigung des Getriebes vorgenommen, welche für eine weitere Instandsetzung äußerst wichtig ist, damit beim Zerlegen keine Fremdkörper ins Gehäuse gelangen können.

Beim Abholen hat uns Herr Sabau noch einige Tipps gegeben, auf was beim Automatikgetriebe geachtet werden muss, die ich noch durch Hinweise aus dem Werkstatthandbuch ergänzt habe:

1. Nach Instandsetzung muss nach 200 km das neue Ölsieb (Bildtafel 32) VW-Teile-Nr. 003.325.421 mit Pressluft durchgeblasen werden, um evtl. Verunreinigungen vom Zusammenbau zu entfernen.   

2. Der Flüssigkeitsstand wird mit dem Peilstab bei im Leerlauf laufendem Motor, handwarmen Getriebeöl und in Wählhebelstellung „N“ geprüft (Handbremse anziehen). Peilstab nur mit sauberem, nicht fusselndem Lappen abwischen.

Der vorgeschriebene Flüssigkeitsstand ist äußerst wichtig für die einwandfreie Funktion des autom. Getriebes. Darum ist die Prüfung des Ölstandes mit größter Sorgfalt durchzuführen. Der Flüssigkeitsstand muss sich zwischen der oberen und der unteren Markierung auf dem Peilstab abzeichnen. Bei zu geringem Flüssigkeitsstand Getriebeflüssigkeit „ATF“ nachfüllen. Wichtig: Nicht überfüllen, zuviel eingefüllte Flüssigkeit führt zu Störungen in der Automatik und muss daher wieder abgelassen werden.

3. Die Dichtung Nr. 3 (Bildtafeln 31 und 4-2 und folg.) im Dichtungssatz VW-Teile-Nr.  003.398.007 ist im Laufe des Betriebes anfällig gegen Schrumpfen, d. h. sie kann undicht werden und ATF-Flüssigkeit gelangt in den Achsantrieb (5) oder Getriebeöl in das Planetengetriebe (1) welches dann in jedem Fall einen Totalschaden des Getriebes zur Folge hätte. Deshalb ist es wichtig, dass nach je ca. 10.000 km die 4 Muttern M8 (Nr. 16) gleichmäßig über Kreuz nachgezogen bzw. deren fester Sitz überprüft werden muss. Im Automatikgetriebe wurden alle Verschleißteile wie z. B. sämtliche Dichtungen oder Dichtringe, Bremsbänder, Innen- und Außenlamellen, sowie div. Federn gegen Neuteile getauscht.

Beim späteren Zusammenbau von Motor und Getriebe muss man darauf achten, das die Nut von der Getriebeglocke genau in den Rand des Motorgehäuses passt und nicht verkantet (siehe letztes Bild).